„Ich möchte mit meinen Bildern eine Geschichte erzählen“


Nadine Hippe bevölkert in ihren von Hand gezeichneten Illustrationen Wälder, Baustellen und das Weltall mit freundlichen Tieren. Auf Wunsch fertigt sie unter ihrem Label fröhlichen Sam`sTag auch Unikate für Geburtstage, Taufen und andere Anlässe an. Im Interview verrät die Illustratorin aus Mosbach, was sie am Zeichnen fasziniert und wie sie auf ihre Ideen kommt.  

Wie bist du zum Zeichnen gekommen?

Auch wenn es vielleicht abgedroschen klingt, aber ich habe wirklich immer schon gerne gemalt. Wenn sich andere kleine Mädchen Puppen wünschten, wollte ich Stifte, Farben und Papier haben. 


Was gefällt dir daran?

Ich mag es, meine eigene kleine Welt zu erschaffen. Beispielswiese bin ich beim Zeichnen ja nicht an physikalische Größen oder Naturgesetze gebunden. Deshalb können bei mir Löwen und Zebras Freunde sein und Tiere auf einer Baustelle arbeiten. 


Wie kommst du auf deine Ideen?

Ich bin niemand, der stundenlang darüber brütet, was als nächstes kommen soll. Ich kritzele eigentlich ständig vor mich hin, zum Beispiel während Besprechungen bei der Arbeit. So entsteht manchmal zufällig etwas. Aber meistens zeichne ich etwas, für das sich mein Sohn gerade interessiert. 


Was ist dir bei deinen Motiven besonders wichtig?

Ich möchte eine Geschichte in nur einem Bild erzählen – am besten mit einem versteckten Witz. Deshalb zeichne ich nicht einfach einen Bus. Stattdessen fahren darin viele verschiedene Tiere zu einer Party und die Giraffe sitzt dabei in beiden Etagen des Fahrzeugs, weil sie ja einen so langen Hals hat. Außerdem ist es mir wichtig, dass nicht immer alles perfekt sein muss, Linien können ruhig mal schief sein, Farben sich ein wenig mischen. Ich mag diesen total cleanen Look einfach nicht. 


Hast du ein Lieblingsmotiv?

Absolut: Es ist der Bär, den ich als allererstes gemalt habe und den es inzwischen auch auf T-Shirts, Tassen und Jutebeuteln gibt. Er wirkt so herrlich gemütlich und hat eine wundervoll verträumte Art. Am Bär hängt mein Herz ganz besonders, aber ich mag eigentlich alle Motive, die ich gemalt habe. Gerade bei den handgemalten Unikaten steckt da ja oft eine spannende persönliche Geschichte dahinter. 


Inwiefern?

Ich zeichne auf Wunsch Bilder für bestimmte Anlässe. Zum Beispiel hat eine Kollegin für ihr Patenkind ein Bild bestellt, das eine Geschichte aufgreift, warum der Junge Kurt heißt. Der Vater hatte nämlich immer das Lied „Hier kommt Kurt“ von Frank Zander im Kopf und wollte, dass es gespielt wird, wenn sein Sohn als Bundesligaspieler auf den Platz kommt. Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, aber die Familie hat jetzt eine Erinnerung daran. 


So entsteht zu jedem Bild sicher eine besondere Verbindung, oder? 

Ganz genau – und ich genieße es sehr, zu wissen, dass das Bild jemandem eine ganz persönliche Freude macht. Ich sehe ja an meinem eigenen Sohn, wie schön es ist, wenn sich Kinder über ein für sie gemaltes Bild freuen. Schade ist nur, dass ich ja nie dabei bin, wenn die Bilder überreicht werden und die Reaktionen deshalb immer nur aus Erzählungen kenne. 

 

Das Interview führte Hannah Barthel

Foto: André Frank